Wirtschaftsethik ohne Reflexionsstopp vor mächtigen Interessen: Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, wird von jenen kritisiert, die ihr Geschäft durch sein mutiges Handeln geschmälert sehen. Ist denn Politik bloss die Fortsetzung des Geschäfts mit andern Mitteln? Oder geht es unter freien Bürgerinnen und Bürgern um den "öffentlichen Gebrauch der Vernunft" und um die Zivilisierung der Marktwirtschaft? Wer hat Recht: Philipp Hildebrand oder seine Kritiker? Soll und kann die Politik die Wirtschaft "zivilisieren", d.h. zur ordnungspolitischen Mitverantwortung für das volkswirtschaftliche Gesamtwohl verpflichten?
Abstract und Fragen der Redaktion: Kapitalistische Gesellschaften scheinen zum Wachstum verdammt zu sein. Denn nur, wenn die Wirtschaft wächst, gibt es, so erklärt man uns, genügend Arbeitsplätze für alle und damit auch genügend Einkommen. Peter Ulrich hält diese Vorstellung aus verschiedenen Gründen für anachronistisch. Er schlägt vor, das Einkommen zumindest teilweise von der Erwerbsarbeit zu entkoppeln, indem es durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle sowie durch Erträge aus (fairer verteiltem) Kapital ergänzt wird.
• Müssen wir uns von der Idee der Wachstumsgesellschaft verabschieden?
• Ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle finanzierbar, sinnvoll und politisch durchsetzbar?
• Inwieweit sind Kapitaleinkommen (nicht) auf wirtschaftliches Wachstum angewiesen?
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In meinem letzten Forumsbeitrag ging es um das immer offensichtlichere Versagen des wirtschaftspolitischen Generalrezepts „Wohlstand für alle durch Wachstum“. Wie kommt es, dass gleichwohl weitherum an der zentralen Rolle des Wirtschaftswachstums ideologisch und realpolitisch festgehalten wird?
Abstract und Fragen der Redaktion: Die gegenwärtige Krise ist nicht nur in ihren Auswirkungen, sondern auch ursächlich zu wesentlichen Teilen Ausdruck einer Verteilungskrise. Vom Produktivitätsfortschritt hat in den vergangenen Jahrzehnten nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung profitiert, während immer mehr Menschen unter prekären Arbeits- und Einkommenssituationen leiden. Auch in der Schweiz hat die soziale Ungleichheit zugenommen. Die sinkende Kaufkraft schlägt auf die Konsumneigung und das Wachstum durch, die Sozialausgaben steigen und aus braven Bürgerinnen und Bürgern werden Empörte.
→ Wie hängen soziale Ungleichheit und Wirtschaftskrisen zusammen?
→ Was stimmt nicht mehr am Verhältnis von Bürgergesellschaft und Marktwirtschaft und wie lässt es sich trotz des globalen Standortwettbewerbs wieder in Ordnung bringen?
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Abstract und Fragen der Redaktion: Eine faire und markwirtschaftlich konsequente Lösung der gegenwärtigen Schuldenkrise erfordert eine angemessene Beteiligung der Gläubiger. Doch die zeigen sich wenig einsichtig und die Politik erweist sich gegenüber den Finanzmarktakteuren als ohnmächtig. Die Schuldenkrise nötigt dazu, die Kapitalfrage neu zu stellen und Peter Ulrichs Antwort auf diese Frage ist eindeutig: Es geht darum, den Primat der Politik wiederherzustellen und private Kapitalinteressen wirksam zu regulieren (vgl. den Text zum gleichen Thema im Fenster "Das Verhältnis von Staat und Wirtschaft" in diesem Forum).
→ Müssen die Grossbanken an der Lösung der Schuldenkrise beteiligt werden?
Peter Ulrich fordert eine Wirtschaftsethik ohne Reflexionsstopp vor mächtigen Interessen: Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, wird von jenen kritisiert, die ihr Geschäft durch sein mutiges Handeln geschmälert sehen. Ist denn Politik bloss die Fortsetzung des Geschäfts mit andern Mitteln? Oder geht es unter freien Bürgerinnen und Bürgern um den "öffentlichen Gebrauch der Vernunft" und um die Zivilisierung der Marktwirtschaft?
- Wer hat Recht: Philipp Hildebrand oder seine Kritiker?
- Soll und kann die Politik die Wirtschaft "zivilisieren", d.h. zur ordnungspolitischen Mitverantwortung für das volkswirtschaftliche Gesamtwohl verpflichten?
Es gibt Aufgaben, die lassen sich fast nicht wahrhaftig und sachgerecht erfüllen, ohne dass genau dies heftigste Kritik vonseiten „betroffener“ Partikulärinteressen auslöst. Nur Personen mit Charakter sind fähig, diesen Druck um der Sache willen auszuhalten und mit starken Argumenten für die richtige Ordnung der Dinge einzustehen – so etwa für die ausgewogene Berücksichtigung konfligierender, aber je legitimer Interessen oder für den Vorrang der Grundsätze des guten und gerechten Zusammenlebens unter freien Bürgerinnen und Bürgern vor noch so mächtigen Ideologien und Interessen.
